{"id":5981,"date":"2024-01-04T09:22:40","date_gmt":"2024-01-04T09:22:40","guid":{"rendered":"https:\/\/stopcarcinogensatwork.eu\/fact\/azodien\/"},"modified":"2026-06-30T12:50:01","modified_gmt":"2026-06-30T12:50:01","slug":"azodien","status":"publish","type":"fact","link":"https:\/\/stopcarcinogensatwork.eu\/de\/fact\/azodien\/","title":{"rendered":"Azofarbstoffe"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Sch\u00e4tzungen zur aktuellen Zahl der besch\u00e4ftigten Personen in der EU, die Azofarbstoffen ausgesetzt sind, die zu aromatischen Aminen abgebaut werden k\u00f6nnen, liegen nicht vor. Eine berufliche Exposition gegen\u00fcber Azofarbstoffen kann dort auftreten, wo diese hergestellt und zu F\u00e4rbe- oder Indikationszwecken verwendet werden. Die dermale Exposition ist der wichtigste Expositionsweg, da fl\u00fcssige Formulierungen mittlerweile die Regel sind. Eine Exposition durch Einatmen kann in Einzelf\u00e4llen weiterhin von Bedeutung sein.   <\/p><\/blockquote>\n<p>Azofarbstoffe stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen, da sie in aromatische Amine zerfallen k\u00f6nnen. Einige aromatische Amine sind kanzerogen (Kategorie 1A gem\u00e4\u00df CLP), z. B. 4-Aminobiphenyl, Benzidin, 4-Chlor-o-Toluidin, 2-Naphthylamin, oder gelten als vermutlich kanzerogen f\u00fcr den Menschen (Kategorie 1B gem\u00e4\u00df CLP), z. B. o-Toluidin, o-Anisidin, 4-Aminoazobenzol. Andere aus Azofarbstoffen freigesetzte aromatische Amine stehen im Verdacht, f\u00fcr den Menschen kanzerogen zu sein.  <\/p>\n<p>Einige aromatische Amine stehen im Zusammenhang mit Berufskrankheiten, die zu Schleimhautver\u00e4nderungen, Krebs oder anderen Neubildungen der Harnwege f\u00fchren.<\/p>\n<h2>Wo Risiken auftreten<\/h2>\n<p>Im Allgemeinen finden Azofarbstoffe in der Industrie breite Anwendung zur Einf\u00e4rbung von Kunststoff- und Gummiprodukten, Holz, Papier, Farben und Lacken, aber auch zur Einf\u00e4rbung von Konsumg\u00fctern wie Textilfasern, Kosmetika, Arzneimitteln und sogar Lebensmitteln. Eine untergeordnete Anwendung kann in der medizinischen oder biologischen Forschung liegen, z. B. bei Farbstoffen f\u00fcr die Mikroskopie. <\/p>\n<p>Die fr\u00fchere Verwendung zum F\u00e4rben von Leder oder Textilien wurde in Europa verboten, und seitdem ist der Verbrauch zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Azofarbstoffe, die o-Toluidin freisetzen, wie beispielsweise C.I. Solvent Red 24, 164 und 215, finden nach wie vor Anwendung bei der Kennzeichnung von Mineral\u00f6l oder bei zerst\u00f6rungsfreien Pr\u00fcfverfahren als Farbstoffe zur Risserkennung, z. B. in der Metallindustrie. Zu den Berufsgruppen mit hohem Risiko einer dermalen Exposition z\u00e4hlen industrielle F\u00e4rber, Kosmetikerinnen und Materialpr\u00fcfer. <\/p>\n<h2>Mehr \u00fcber den Stoff<\/h2>\n<p>Es gibt mehr als 3000 verschiedene Azoverbindungen. Zu den wirtschaftlich bedeutenden Azoverbindungen z\u00e4hlen Azofarbstoffe, die wiederum in Azofarbstoffe, die im Anwendungsmedium praktisch unl\u00f6slich sind, und l\u00f6sliche Azofarbstoffe unterteilt werden. <\/p>\n<p>Im letzteren Fall wird zwischen wasserl\u00f6slichen und in organischen L\u00f6sungsmitteln l\u00f6slichen Azofarbstoffen unterschieden, die f\u00fcr die dermale Exposition eine wichtige Rolle spielen. L\u00f6sliche Azofarbstoffe auf der Haut k\u00f6nnen durch bakterielle oder enzymatische Aktivit\u00e4t in l\u00f6sliche aromatische Amine umgewandelt werden, die \u00fcber die Haut resorbiert werden. <\/p>\n<p>Azofarbstoffe lassen sich verschiedenen Farbstoffgruppen zuordnen, wie beispielsweise S\u00e4urefarbstoffen, Direktfarbstoffen oder Reaktivfarbstoffen, Dispersionsfarbstoffen usw. Im Farbindexsystem werden Azofarbstoffe, wie auch andere Farbstoffe, entsprechend ihrem chemischen Verhalten und ihrer Verwendungsweise beim F\u00e4rben klassifiziert, woraus sich die Farbindexbezeichnung (C.I.-Generikabezeichnung) ergibt. <\/p>\n<p>Es ist erw\u00e4hnenswert, dass aromatische Amine auch im Tabakrauch, in Dieselabgasen sowie als Verunreinigungen in Steinkohlenteer oder in Zusatzstoffen bei der Herstellung von Gummierzeugnissen vorkommen, was Auswirkungen auf andere Berufsgruppen hat.<\/p>\n<h2>Gefahren, die auftreten k\u00f6nnen<\/h2>\n<p>L\u00f6sliche Azofarbstoffe werden haupts\u00e4chlich \u00fcber die Haut aufgenommen. Auch die Inhalation kann eine Rolle spielen. Je nachdem, ob es sich um wasserl\u00f6sliche oder fettl\u00f6sliche Azofarbstoffe handelt, werden diese jedoch auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit resorbiert.  <\/p>\n<p>Akute toxische Wirkungen beim Menschen wurden bislang nur nach Exposition gegen\u00fcber l\u00f6slichen Azofarbstoffen beschrieben, nicht jedoch gegen\u00fcber unl\u00f6slichen Azopigmenten. Nach der Aufnahme \u00fcber die Lunge k\u00f6nnen unl\u00f6sliche Pigmente jedoch \u2013 abh\u00e4ngig von ihrer Gr\u00f6\u00dfe \u2013 partikeltypische Wirkungen entfalten, einschlie\u00dflich \u00c4hnlichkeiten mit k\u00f6rnigem, biopersistentem Staub, z. B. beginnend mit Symptomen wie Husten. <\/p>\n<p>Es wurde berichtet, dass Expositionen am Arbeitsplatz vor allem mit bekannten Berufskrankheiten wie Ver\u00e4nderungen der Schleimh\u00e4ute, Krebs oder anderen Wucherungen im Harntrakt in Zusammenhang stehen. Dar\u00fcber hinaus wird angenommen, dass eine chronische Exposition auch mit allergischen Hautreaktionen verbunden ist. <\/p>\n<p><strong>Die Latenzzeit zwischen der Exposition und dem Auftreten von durch aromatische Amine bedingtem Krebs der Harnwege (Blasenkrebs) schwankt stark zwischen 12 und bis zu mehr als 40 Jahren<\/strong>. <strong>Relevante kanzerogene Amine sind o-Toluidin, Xenylamin, 2-Naphthylamin, Benzidin und 4-Chlor-o-Toluidin.<\/strong><\/p>\n<h2>Was Sie tun k\u00f6nnen<\/h2>\n<p>Der wirksamste Weg, eine Exposition zu verhindern, ist die Substitution. Es gibt sicherere, alternative Farbstoffe auf dem Markt, z. B. alternative Naturfarbstoffe oder Mineral- bzw. Pigmentfarbstoffe, insbesondere f\u00fcr die Textil- und Lebensmittelindustrie. Wo ein Ersatz von Azofarbstoffen nicht m\u00f6glich ist und deren Verwendung nicht vermieden werden kann, m\u00fcssen Ma\u00dfnahmen zur Verringerung der Exposition ergriffen werden.  <\/p>\n<p>Der wirksamste Weg, eine Exposition gegen\u00fcber Azofarbstoffen zu vermeiden, ist die Entwicklung und der Einsatz geschlossener Systeme. Ist dies nicht m\u00f6glich, sollten technische Ma\u00dfnahmen wie eine wirksame lokale Absaugung oder eine gute Bel\u00fcftung des Arbeitsplatzes sowie die \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Wirksamkeit umgesetzt werden, um sicherzustellen, dass die Exposition so weit wie technisch m\u00f6glich minimiert wird. Eine Standardanforderung f\u00fcr die Textilindustrie ist die beste verf\u00fcgbare Technik (BAT), die ber\u00fccksichtigt werden muss, um Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen zu minimieren.  <\/p>\n<p>F\u00fchren Sie regelm\u00e4\u00dfige Expositionsbewertungen durch, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob Ihre bestehenden Schutzma\u00dfnahmen wirksam sind oder ob weitere Ma\u00dfnahmen ergriffen werden m\u00fcssen. Die besch\u00e4ftigten Personen m\u00fcssen sich der Auswirkungen einer Exposition bewusst sein und sollten regelm\u00e4\u00dfig in den notwendigen Kontrollma\u00dfnahmen geschult werden, um sicher mit Azofarbstoffen arbeiten zu k\u00f6nnen und eine Exposition zu vermeiden. Sie sollten dazu angehalten werden, fr\u00fche Symptome wie Atemwegsbeschwerden oder Hautallergien zu melden. Die Einbeziehung eines Arbeitsmediziners wird empfohlen. Dar\u00fcber hinaus sollten die besch\u00e4ftigten Personen in wirksamen Hygienema\u00dfnahmen geschult werden.    <\/p>\n<p>Stellen Sie sicher, dass die besch\u00e4ftigten Mitarbeiter \u00fcber angemessene Ausr\u00fcstung f\u00fcr den Pers\u00f6nlichen schutz verf\u00fcgen, wie z. B. Schutzkleidung und Handschuhe, falls erforderlich, da der prim\u00e4re Expositionsweg die Haut ist. Pers\u00f6nliche Schutzausr\u00fcstung sollte nur als letztes Mittel und lediglich vor\u00fcbergehend in Betracht gezogen werden, nachdem alle m\u00f6glichen technischen L\u00f6sungen ausgesch\u00f6pft wurden. Es ist wichtig, dass wiederverwendbare pers\u00f6nliche Schutzausr\u00fcstung nach dem Gebrauch gereinigt und an einem sauberen Ort aufbewahrt wird.  <\/p>\n<p><em>Quellen: BAuA, ECHA, DGUV, EU-Kommission<\/em><\/p>\n","protected":false},"template":"","carcinogens":[355],"class_list":["post-5981","fact","type-fact","status-publish","hentry","carcinogens-azofarbstoffe"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v28.1 (Yoast SEO v28.2) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Azofarbstoffe - STOP carcinogens at work<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Be aware of what you work with! 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