Fast 47 Millionen beschäftigte Arbeitnehmer in der EU könnten während ihrer letzten Arbeitswoche mindestens einem Krebsrisikofaktor ausgesetzt gewesen sein. Dies geht aus der von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) durchgeführten Erhebung über berufsbedingte Krebsrisikofaktoren in Europa (Workers‘ Exposure Survey, WES) hervor. Die Umfrage zeigt erhebliche Lücken in der Prävention auf und unterstreicht den dringenden Bedarf an gezielten, evidenzbasierten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der beschäftigten Arbeitnehmer und zur Verringerung der Belastung durch berufsbedingte Krebserkrankungen in ganz Europa.
Expositionsraten und Ungleichheiten bei den Beschäftigten
- Die häufigsten Expositionen sind: ultraviolette Sonnenstrahlung, Dieselmotorabgase, Benzol, einatembares kristallines Siliziumdioxid und Formaldehyd.
- Im Gegensatz zur Exposition gegenüber anderen Industriechemikalien ist die Exposition gegenüber Formaldehyd in der arbeitenden Bevölkerung weiter verbreitet (6,4% aller beschäftigten Personen sind wahrscheinlich exponiert). Die Umstände dieser Exposition sind recht vielfältig, zum Beispiel bei der Arbeit mit Leim oder Sperrholz, bei der Brandbekämpfung oder beim Öffnen von Versandcontainern.
- Die Belastung durch Holzstaub sticht unter den Krebsrisikofaktoren in der Umfrage hervor: die Hälfte der betroffenen Beschäftigten war in der vergangenen Arbeitswoche einer hohen Belastung ausgesetzt (1,6% aller Beschäftigten).
- Ungefähr 11,1 % der Beschäftigten sind mindestens einem der 24 untersuchten Stoffe in hohem Maße ausgesetzt.
- Auch Mehrfachexpositionen sind häufig: 26,1 % der beschäftigten Personen waren wahrscheinlich innerhalb derselben Woche mindestens zwei Krebsrisikofaktoren ausgesetzt.
- Ältere Beschäftigte sind tendenziell einer höheren Belastung durch mehrere Risikofaktoren ausgesetzt, allerdings auf einem niedrigeren Niveau als andere Beschäftigte.
- Selbstständige und befristet Beschäftigte sind häufig stärker exponiert, und die Expositionsmuster unterscheiden sich auch zwischen Männern und Frauen, je nach Branche und Art der Arbeit.
Prävention und Kontrollmaßnahmen
In der Umfrage, die zwischen September 2022 und Februar 2023 in 6 EU-Ländern durchgeführt wurde, wird auch untersucht, wie Arbeitsplätze mit Expositionsrisiken umgehen. Der Einsatz von Kontrollmaßnahmen wie Belüftung, geschlossene Systeme und persönliche Schutzausrüstung ist sehr unterschiedlich. Einige Sektoren, darunter chemische Laboratorien, berichten über den konsequenten Einsatz von technischen Kontrollen. In vielen anderen werden die Kontrollen nur gelegentlich oder gar nicht eingesetzt. So gaben beispielsweise mehr als zwei Drittel der beschäftigten Personen, die bei der Wartung von Fahrzeugen den Abgasen von Dieselmotoren ausgesetzt sind, an, keine Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer verbesserten und konsequenteren Umsetzung von technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen, die der etablierten Hierarchie der Prävention folgen.
- Übersichtsbericht: Berufsbedingte Krebsrisikofaktoren in Europa - Überblick über die Ergebnisse der Erhebung über die Exposition von beschäftigten Arbeitnehmern
- Zusammenfassung: Berufsbedingte Krebsrisikofaktoren in Europa - Überblick über die Ergebnisse der Erhebung über die Exposition von beschäftigten Arbeitnehmern