Fast jede dritte beschäftigte Person im Gesundheits- und Sozialwesen in Europa ist Krebsrisikofaktoren ausgesetzt

Eine neue Studie unter der Leitung des Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal), die in Zusammenarbeit mit der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) durchgeführt wurde, zeigt, dass ein erheblicher Anteil der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen in Europa regelmäßig Stoffen und Bedingungen ausgesetzt ist, die mit Krebs in Verbindung stehen.

Die im European Journal of Public Health veröffentlichte Forschung stützt sich auf Daten aus der Workers‘ Exposure Survey (WES), der ersten Erhebung dieser Art in Europa. Zwischen 2022 und 2023 führten Forschende 24.402 Telefoninterviews mit Beschäftigten in Finnland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland und Spanien durch und nutzten einen tätigkeitsbasierten Fragebogen, um die Exposition gegenüber 24 anerkannten Krebsrisikofaktoren zu schätzen.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert: 29,5 % der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen berichteten, in ihrer letzten Arbeitswoche mindestens einem Krebsrisikofaktor ausgesetzt gewesen zu sein, und 7,8 % waren zwei oder mehr ausgesetzt. Der Sektor gehört zu den größten in Europa und beschäftigt rund 21,6 Millionen Menschen, also etwa 11 % der gesamten Erwerbsbevölkerung.

Ionisierende Strahlung und Dieselmotoremissionen

Die am häufigsten gemeldeten Expositionen waren ionisierende Strahlung (7,4 %), Dieselmotoremissionen (6,2 %), solare UV-Strahlung (6,1 %), Formaldehyd (5,2 %) und Benzol (4,8 %). Formaldehyd und Ethylenoxid, die beide häufig zur Desinfektion und Sterilisation verwendet werden, waren die Stoffe, die am häufigsten mit hohen Expositionsniveaus in Verbindung gebracht wurden, was darauf hindeutet, dass routinemäßige Maßnahmen zur Infektionskontrolle eine unterschätzte Risikoquelle darstellen.

Laut Michelle Turner, ISGlobal-Forscherin und leitende Autorin der Studie, haben Risiken im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber kanzerogenen Stoffen im Gesundheits- und Sozialwesen historisch weniger Aufmerksamkeit erhalten als in anderen Branchen. Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass Präventionsstrategien besser auf die tatsächlichen Arbeitsbedingungen in diesem Bereich zugeschnitten werden müssen, statt sich an stärker im Fokus stehenden Industriesektoren zu orientieren.

Schutzmaßnahmen

Der tätigkeitsbasierte Ansatz der Studie, bei dem Beschäftigte die konkreten Tätigkeiten beschrieben, die sie ausgeführt haben, statt sich ausschließlich auf Berufsbezeichnungen zu stützen, machte es zudem möglich zu bewerten, wie konsequent Schutzmaßnahmen angewendet wurden, und zeigte konkrete Bereiche auf, in denen die Sicherheit am Arbeitsplatz gestärkt werden könnte.

Die berufliche Exposition gegenüber kanzerogenen Stoffen bleibt eine der Hauptursachen für berufsbedingten Krebs in der EU; Krebs ist jedes Jahr für rund 100.000 arbeitsbedingte Todesfälle verantwortlich. Die WES-Ergebnisse unterstreichen, dass Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen in der Krebspräventionspolitik und -praxis in ganz Europa mehr Aufmerksamkeit verdienen.

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