Ältere Daten (CAREX) aus dem Jahr 1990 belegen eine berufliche Exposition gegenüber Dichlormethan (auch bekannt als Methylenchlorid oder Chloroform) bei etwa 250.000 beschäftigten Personen in der EU (15 Mitgliedstaaten). Die Verwendung von Dichlormethan wurde seitdem jedoch erheblich eingeschränkt (REACH-Verordnung, Trinkwasserrichtlinie).
Aktuelle Schätzungen zur berufsbedingten Exposition gegenüber Dichlormethan in der EU liegen nicht vor. Die Hauptaufnahmewege am Arbeitsplatz sind die Atemwege und die Haut. Dichlormethan ist gemäß CLP als kanzerogen der Kategorie 2 eingestuft. Die IARC stuft den Stoff als kanzerogen der Gruppe 2A ein (wahrscheinlich krebserregend für den Menschen). Dichlormethan steht im Verdacht, Bauchspeicheldrüsen-, Lungen- und Leberkrebs zu verursachen.
Wo Risiken auftreten
Dichlormethan wird in erster Linie als Abbeizmittel, Entfettungsmittel, Treibmittel, Kältemittel und Extraktionslösungsmittel verwendet. Es ist sehr flüchtig, löst viele organische Substanzen auf und wird daher auch als Lösungsmittel für Harze, Fette, Kunststoffe und Bitumen eingesetzt. Zudem dient es als Klebstoff für spezielle Anwendungen (Plexiglas, Polystyrol).
Dichlormethan ist sehr flüchtig, was bedeutet, dass sich bei großflächiger Anwendung schnell hohe Konzentrationen in der Luft ansammeln und eingeatmet werden können. Bei solchen großflächigen Anwendungen, wie beispielsweise beim Entfetten oder Verkleben von (Kunststoff-)Oberflächen, können weiterhin hohe Dichlormethan-Konzentrationen in der Atemluft auftreten. Eine hohe Exposition ist bei beschäftigten Arbeitnehmern möglich, die Abbeizmittel verwenden (Bauwesen, Renovierung), sowie bei Tätigkeiten wie der Tankreinigung, Entfettung und Wartungsarbeiten in beengten Räumen. Expositionen mittlerer Intensität sind typisch in der chemischen Fertigung, der pharmazeutischen Produktion und bei der Herstellung von Lösungsmittelformulierungen, während Expositionen geringer Intensität in Analyse-, Forschungs- und Gesundheitslabors, bei Laborpersonal sowie in der pharmazeutischen Industrie (Extraktionsmittel) und bei der Behandlung von Kunststoffoberflächen mit Entfettungsmitteln und Klebstoffen zu erwarten sind.
Mehr über den Stoff
Dichlormethan ist ein aliphatischer, gesättigter halogenierter Kohlenwasserstoff, der in seiner reinen Form eine farblose Flüssigkeit mit einem chloroformartigen Geruch ist. Es hat einen niedrigen Siedepunkt von 40 °C und einen Dampfdruck von 470 hPa (bei 20 °C) und ist sehr flüchtig. Bei der Verwendung von Produkten, die Dichlormethan enthalten, werden etwa 85 % des Stoffes in die Umwelt freigesetzt. Unter normalen Anwendungsbedingungen ist Dichlormethan nicht brennbar; in geschlossenen Behältern kann jedoch Explosionsgefahr bestehen.
Aufgrund der Verwendungsbeschränkungen gemäß der REACH-Verordnung dürfen Abbeizmittel, die mehr als 0,1 Gewichtsprozent Dichlormethan enthalten, gewerblich nur von speziell geschultem Personal verwendet werden. Bei der Verbrennung von Dichlormethan kann gasförmiges, hochgiftiges Phosgen entstehen.
Gefahren, die auftreten können
Wird der Stoff in flüssiger Form aufgenommen, z. B. über die Haut, wirkt er sich in erster Linie auf das zentrale Nervensystem aus und verursacht Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Taubheitsgefühle und Konzentrationsstörungen. Im Körper wird Dichlormethan in Kohlenmonoxid umgewandelt, was zu einer Kohlenmonoxidvergiftung führt. Zudem können Reizungen der Atemwege und der Augen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit auftreten.
Längerer Hautkontakt führt zum Abbau von Fettgewebe und verursacht dadurch Hautausschläge und Juckreiz. Dichlormethan-Dämpfe sind schwerer als Luft und sammeln sich daher in Bodennähe an. Das Einatmen der Dämpfe kann zu Schädigungen des Sehnervs und der Leber (Hepatitis) führen.
Die bedeutendste Auswirkung einer langfristigen Exposition ist die Kanzerogenität. Es besteht der Verdacht, dass Dichlormethan Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Lunge und der Leber verursachen kann.
Die Latenzzeiten bis zur Entstehung von Krebs nach einer Exposition gegenüber Dichlormethan können zwischen 20 und 30 Jahren liegen.
Was Sie tun können
Zunächst sollten Sie prüfen, ob Produkte, die Dichlormethan enthalten, durch weniger gefährliche oder ungefährliche Alternativen ersetzt werden können. Es gibt eine große Auswahl an alternativen Produkten, insbesondere für den Einsatz als Treibmittel. Steht kein Ersatz zur Verfügung, müssen geeignete Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, insbesondere bei großtechnischen Anwendungen, um die beschäftigten Arbeitnehmer zu schützen. Dämpfe müssen an der Quelle oder in Bodennähe mithilfe von Absaugsystemen aufgefangen und abgeführt werden. Die Anzahl der exponierten Personen und die Dauer der Exposition müssen auf ein Minimum beschränkt werden. Exponierte Beschäftigte müssen regelmäßig und in verständlicher Weise über die Risiken von Dichlormethan und die Umsetzung von Schutzmaßnahmen unterwiesen werden. Sind alle genannten Maßnahmen ausgeschöpft, lässt sich die Aufnahme von Dichlormethan in den Körper durch den Einsatz geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitskleidung weiter reduzieren. PSA und Arbeitskleidung müssen hygienisch gereinigt und gelagert werden können. Bei der Verwendung von Atemschutz und Handschuhen sind die Herstellerangaben hinsichtlich Eignung, Handhabung, Wartung, Reinigung und Durchbruchzeit zu beachten.
Quellen: OECD, ECHA; EU-OSHA, Gestis, Europäische Kommission, UBA.