Nach den neuesten Schätzungen sind in der EU etwa 20.000 beschäftigte Personen potenziell Beryllium ausgesetzt. Beryllium ist gemäß der CLP-Verordnung als kanzerogen der Kategorie 1B eingestuft, was bedeutet, dass es beim Menschen wahrscheinlich Lungenkrebs verursacht.
Beryllium kann auch eine Sensibilisierung der Haut und die chronische Berylliumkrankheit verursachen. Der Mensch ist Beryllium und seinen Verbindungen in erster Linie durch das Einatmen von Stäuben und Dämpfen und durch Hautkontakt mit berylliumhaltigen Produkten ausgesetzt.
Wo Risiken auftreten
Zu den Verfahren mit der vermutlich höchsten Exposition zählen das Schmelzen, Gießen und die Heißbearbeitung sowie das mechanische Schleifen von Berylliumlegierungen. Zu den Berufsgruppen mit hohem Risiko einer Berylliumexposition zählen Hersteller und Verarbeiter von Berylliumlegierungen, Keramikarbeiter, Raketentechniker, Mitarbeiter in Kernkraftwerken sowie Mitarbeiter in der Elektro-, Elektronik- und Optikindustrie. Risiken bestehen zudem beim Gießen von Nichteisenmetallen und bei der Primärkupferverarbeitung; bei der Aluminiumproduktion kann die Exposition durch den Berylliumgehalt im Bauxit verursacht werden. Eine berufliche Exposition kann auch zu einer Berylliumbelastung im häuslichen Umfeld durch Arbeitskleidung führen, obwohl es in einigen Ländern verboten ist, Arbeitskleidung mit nach Hause zu nehmen.
Mehr über den Stoff
Beryllium ist ein Leichtmetall mit einem ungewöhnlich hohen Schmelzpunkt und einem guten Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht. Es ist die leichteste aller festen, chemisch stabilen Substanzen. Reines Berylliummetall und seine Legierungen mit Kupfer und Aluminium werden in der Flugzeugindustrie und in Raumfahrzeugen, Kernreaktoren und Audiokomponenten verwendet. Anorganische Beryllium Verbindungen mit Oxid, Chlorid, Fluorid, Hydroxid, Sulfat und Nitrat finden ihre Verwendung in zahlreichen anderen Anwendungen.
Seit dem 11. Juli 2026 gilt ein EU-weit verbindlicher Arbeitsplatzgrenzwert von 0,0002 mg/m³.
Gefahren, die auftreten können
Wenn berylliumhaltiger Staub eingeatmet wird, kann er Kurzatmigkeit, Husten, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß verursachen. In schweren Fällen kann er beim Einatmen tödlich und beim Verschlucken giftig sein. Eine längere Exposition kann eine akute oder chronische Berylliumerkrankung, eine fortschreitende Lungenerkrankung oder sogar Lungenkrebs verursachen. Eine Beryllium-Sensibilisierung kann durch Einatmen oder Hautkontakt mit Berylliumstaub, -dämpfen, -nebel oder -lösungen entstehen.
Die Latenzzeit von berylliumbedingtem Krebs liegt zwischen 15 und 25 Jahren.
Was Sie tun können
Der wirksamste Weg, um eine Exposition zu vermeiden, ist die Verwendung berylliumfreier Produkte oder Alternativen mit niedrigerer Berylliumkonzentration. Wenn berylliumhaltige Produkte nicht ersetzt werden können, sollte die Exposition gegenüber Beryllium und seinen Verbindungen durch technische Maßnahmen reduziert werden (z. B. Verwendung in geschlossenen Systemen, lokale Abluftanlagen, wo Emissionen auftreten können). Verwenden Sie zur Reinigung von Geräten und Arbeitsflächen (Maschinen, Boden) ausschließlich Staubsauger oder Nassreinigung. Führen Sie regelmäßig repräsentative Expositionsmessungen durch, damit Sie wissen, wann und wo Maßnahmen ergriffen werden müssen. Machen Sie die beschäftigten Arbeitnehmer kontinuierlich auf die Auswirkungen der Exposition aufmerksam und ermutigen Sie sie, über erste Symptome zu berichten. Es wird empfohlen, einen Arbeitsmediziner hinzuzuziehen.
Schulen Sie die beschäftigten Mitarbeiter zudem in Bezug auf Gefahren, sichere Arbeitspraktiken und wirksame Hygienemaßnahmen. Ergänzen Sie dies durch persönliche Schutzausrüstung, wenn technische Kontrollmaßnahmen nicht ausreichen, um die Exposition unter die Expositionsgrenzwerte zu senken. Persönliche Schutzausrüstung sollte nur als letztes Mittel eingesetzt werden, nachdem mögliche technische Lösungen vorgestellt wurden. Die beschäftigten Mitarbeiter sollten zudem ihr Gesicht, ihre Hände und ihre Unterarme waschen, bevor sie essen, rauchen oder Kosmetika auftragen. Längerer Hautkontakt mit berylliumhaltigem Staub sollte stets vermieden werden.
Quellen: CLP, IARC, CDC, CAREX, OSHA, NIOSH, EC, BeST