Die Zahl der beschäftigten Personen, die potenziell Lederstaub ausgesetzt sind, wird in allen EU-Ländern auf 310.000 geschätzt. Der Hauptweg der beruflichen Exposition sind die Atemwege (Einatmen von Staub). Lederstaub wird von der IARC als kanzerogen für den Menschen eingestuft (Gruppe 1). Er ist nicht gemäß der europäischen CLP-Verordnung klassifiziert, da es sich um einen Stoff handelt, der bei den in der Lederverarbeitung angewandten Verfahren entsteht. Die Exposition gegenüber diesem Staub verursacht Nasenhöhlenkrebs und Nasennebenhöhlenkrebs.
Wo Risiken auftreten
Lederstaub entsteht hauptsächlich bei mechanischen Bearbeitungsvorgängen an trockenem Leder. Dies geschieht vor allem bei der Herstellung von Erzeugnissen (Schuhe, Lederwaren), aber auch bei deren Reparatur (Schuhreparatur). Die meisten Staubemissionen entstehen bei Veredelungsvorgängen (Schleifen, Schaben, Abrieb, Schneiden, Hobeln, Polieren, Abtragen). In Gerbereien und Lederverarbeitungsbetrieben ist die Exposition geringer, da diese Prozesse in feuchten Umgebungen stattfinden. Zu den am stärksten exponierten Beschäftigten zählen daher Lederwarenhersteller, Schuhmacher, Mitarbeiter in der Schuhindustrie, Mitarbeiter in der Endbearbeitung sowie Zuschnitt- und Beschnittfachkräfte.
Mehr über den Stoff
Lederstaub ist ein komplexes Gemisch aus Kollagenfasern (tierische Proteine), Gerbstoffrückständen (pflanzliche Gerbstoffe und Chromsalze – Chrom(III) und möglicherweise Chrom(VI)), Farbstoffen oder Pigmenten sowie Veredelungsmitteln (Harze und Lösungsmittel).
Der Begriff „Leder“ bezeichnet das Produkt, das durch Gerben oder Imprägnieren aus Tierhäuten gewonnen wird und bei dem die natürliche Struktur der Hautfasern erhalten bleibt. Materialien, die aus Pflanzen oder petrochemischen Stoffen (oder einer Mischung aus beiden) oder aus einer anderen Quelle als Tieren gewonnen werden, dürfen rechtlich nicht als „Leder“ bezeichnet werden.Es ist zu beachten, dass die von der IARC anerkannte kanzerogene Wirkung mit dem Staub selbst zusammenhängt, d. h. mit den festen Partikeln, die bei der mechanischen Verarbeitung von gegerbtem Leder entstehen, und nicht mit dem möglichen Vorhandensein bekannter kanzerogener Stoffe wie Chrom(VI) in diesem Staub (zu Chrom(VI) siehe das entsprechende Informationsblatt hier).
Derzeit liegen weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene Grenzwerte für die berufliche Exposition gegenüber Lederstaub vor.
Mögliche Gesundheitsrisiken
Der Hauptweg der Exposition gegenüber Lederstaub für beschäftigte Personen erfolgt über die Atemwege (Einatmen von Staub). Zu den kurzfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zählen Reizungen der Atemwege, Rhinitis, Augenreizungen und Husten. Langfristig kann die Exposition gegenüber Lederstaub zu HNO-Krebserkrankungen (Nebenhöhlen, Nasenhöhlen) führen und Atemwegserkrankungen (chronische Bronchitis) verschlimmern.
Krebserkrankungen der Nasenhöhlen und Nasennebenhöhlen, die mit Lederstaub in Verbindung stehen, können in einigen EU-Ländern (Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien) als berufsbedingte Krebserkrankungen anerkannt werden, doch die Voraussetzungen für eine solche Anerkennung variieren von Land zu Land.
Die Latenzzeit bis zum Ausbruch der Krebserkrankung kann relativ lang sein (zwischen 10 und 40 Jahren).Was Sie tun können
Lederstaub entsteht bei den Verfahren zur Bearbeitung von Tierhäuten (Gerben, Schneiden, Abschleifen, Schleifen usw.) und lässt sich daher nicht vermeiden. Um die Belastung durch Staub zu begrenzen, müssen die Arbeiten daher in einem geschlossenen System durchgeführt werden oder, falls dies nicht möglich ist, muss jeder Arbeitsplatz mit kollektiven Schutzmaßnahmen ausgestattet sein (Einkapselung der Anlagen, Staubabsaugsysteme). Diese Systeme müssen regelmäßig gewartet werden, um ihre Wirksamkeit sicherzustellen. Zudem muss die Anzahl der beschäftigten Arbeitnehmer begrenzt werden. Als letztes Mittel können Sie Atemschutzgeräte einsetzen, falls die Konzentrationen von Staub bei bestimmten Tätigkeiten durch die oben genannten Maßnahmen nicht wesentlich gesenkt werden können. In diesem Fall müssen Sie in deren Gebrauch geschult werden, und es muss ein Verfahren für den Umgang mit dieser Ausrüstung erstellt und umgesetzt werden. Da das Vorhandensein kanzerogener Stoffe auf Arbeitsflächen nachgewiesen wurde, sind eine regelmäßige Reinigung der Oberflächen und strenge Hygienemaßnahmen (Reinigung der Arbeitskleidung und der Hände) unerlässlich, um das Wiederaufwirbeln von Staub zu begrenzen.
Quellenangaben:
- IARC – Arsen, Metalle, Fasern und Staub. IARC-Monographien zur Bewertung der kanzerogenen Risiken für den Menschen. Band 100C. 2012.
- Savary B. & Emili A. Berufliche Exposition in der französischen Lederverarbeitungsbranche (2010–2024); Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Nr. 281, Dezember 2025
Die Fakten zu Lederstaub
Allgemeine Fakten
Fakten über krebserregende Stoffe:
- Die direkten Kosten der Exposition gegenüber kanzerogenen Stoffen am Arbeitsplatz werden europaweit auf 2,4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
- Jedes Jahr erkranken etwa 120.000 Menschen an Krebs, weil sie bei der Arbeit kanzerogenen Stoffen ausgesetzt sind.
- Jährlich sterben mehr als 100.000 Menschen an berufsbedingtem Krebs.