Arbeit im Bauwesen ist körperlich anspruchsvoll, doch eine der größten Gesundheitsgefahren ist unsichtbar: kanzerogene Stoffe in Staub, Dämpfen und Materialien, mit denen täglich gearbeitet wird. In der gesamten EU ist berufsbedingter Krebs nach wie vor die häufigste Todesursache am Arbeitsplatz, und das Bauwesen wird durchgängig als einer der Sektoren mit dem höchsten Risiko eingestuft. Es verzeichnet mehr Fälle von berufsbedingtem Krebs als jede andere Branche, mit jährlich Tausenden Krebstodesfällen und Neudiagnosen.
Asbest, Quarzstaub und Dieselabgase: alte und neue Gefahren
Asbest ist das bekannteste Karzinogen der Branche: Es ist noch immer in der Dämmung, Dacheindeckung und den Bodenfliesen älterer Gebäude vorhanden und ist jedes Jahr in der EU für Zehntausende Todesfälle verantwortlich, meist infolge von Arbeiten, die vor Jahrzehnten ausgeführt wurden. Doch die Risiken auf der Baustelle gehen heute noch weiter. Das Schneiden, Schleifen oder Bohren von Beton, Ziegeln und Stein setzt alveolengängigen Quarzstaub (RCS) frei, eine bekannte Ursache für Lungenkrebs und Silikose. Abgase von Dieselmaschinen auf der Baustelle sind ein weiteres großes Problem: Sie werden von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als eindeutig krebserregend für den Menschen der Gruppe 1 eingestuft und verursachen Lungenkrebs sowie – mit eingeschränkter Evidenz – Blasenkrebs. Expertinnen und Experten gehen zunehmend davon aus, dass Quarzstaub, Dieselabgase, solare (UV-)Strahlung und Schweißrauch mit abnehmender Asbestnutzung zu den führenden Ursachen für berufsbedingten Krebs im Bauwesen werden.
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Beginnen Sie mit der Gefährungsbeurteilung
Bevor eine Schutzmaßnahme gewählt wird, schreibt das Gesetz eine Gefährungsbeurteilung vor: eine dokumentierte Prüfung, welche kanzerogenen Stoffe auf einer bestimmten Baustelle vorhanden sind, wie Beschäftigte ihnen ausgesetzt sein könnten und wie schwerwiegend diese Exposition sein könnte. Dies ist nicht optional. Sie ist für Arbeitgeber nach der EU-Richtlinie über Karzinogene, Mutagene und reproduktionstoxische Stoffe verpflichtend und bildet die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen: welche Stoffe ersetzt werden müssen, welche technischen Maßnahmen erforderlich sind und bei welchen Tätigkeiten persönliche Schutzausrüstung (PSA) benötigt wird. Eine gute Gefährungsbeurteilung wird wiederholt, sobald sich Arbeiten, Materialien oder Bedingungen auf der Baustelle ändern.
Was wirklich schützt
Sobald die Risiken erfasst sind, folgt der Schutz einer strikten Rangfolge, wobei der persönliche Schutz die letzte Verteidigungslinie darstellt.
Substitution. Der Ersatz gefährlicher Materialien oder Verfahren durch sicherere Alternativen ist naheliegend die beste Möglichkeit, um eine Exposition gegenüber gefährlichen Stoffen zu vermeiden. Wann immer möglich, müssen Arbeitgeber kanzerogene Stoffe durch weniger gefährliche ersetzen.
Technische Maßnahmen. Verschiedene technische Maßnahmen können Beschäftigte vor der Exposition gegenüber kanzerogenen Stoffen schützen, etwa geschlossene Systeme, lokale Absauganlagen, Nassschneideverfahren und Staubabsaugung an Elektrowerkzeugen.
Organisatorische Maßnahmen. Etwa die Begrenzung der Expositionsdauer, Aufgabenrotation, die Verwendung von Control Guidance Sheets und die Einhaltung dokumentierter sicherer Arbeitsverfahren.
Persönliche Schutzausrüstung. Erst nachdem technische und organisatorische Maßnahmen genutzt wurden, um die Exposition so weit wie möglich zu verringern, darf persönliche Schutzausrüstung (PSA) eingesetzt werden, etwa passgenaue Atemschutzmasken (mit der richtigen Filterklasse), Handschuhe und Schutzanzüge.
Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, Gefährungsbeurteilungen durchzuführen, Schulungen anzubieten, Tätigkeiten mit kanzerogenen Stoffen zu dokumentieren und arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten. Als Beschäftigter haben Sie das Recht auf diese Informationen und Schulungen sowie die Pflicht, die Hygienevorschriften der Baustelle einzuhalten, etwa keine kontaminierte Arbeitskleidung mit nach Hause zu nehmen.
Fazit
Da berufsbedingter Krebs Jahrzehnte bis zur Entstehung benötigen kann, werden die Risiken im Moment leicht übersehen. Sich über die verwendeten Materialien zu informieren, nach Präventionsmaßnahmen zu fragen und persönliche Schutzausrüstung richtig zu verwenden, kann einen echten Unterschied für Ihre langfristige Gesundheit machen.
Sorgen Sie für sich selbst und Ihre Zukunft.
- Weitere Informationen und Lösungen finden Sie auf der Seite für Beschäftigte im Bauwesen.