Die Fakten zu Oxime

Die Fakten zu Oxime

Schätzungen zufolge sind bis zu 700.000 beschäftigte Personen in der EU Oximen ausgesetzt. Oxime werden in Flüssiglacken und Beschichtungen (wo sie als Antihautmittel wirken) sowie in bestimmten Arten von Dichtstoffen auf Silanbasis verwendet. Da sie flüchtig sind, erfolgt die Exposition hauptsächlich über die Atemwege.

Oxime bezeichnen eine Stoffgruppe. Die Oxime Methylethylketoxim oder 2-Butanonoxim (MEKO) und Acetonoxim, die in Farben, Lacken und Dichtstoffen verwendet werden, sind gemäß der CLP-Verordnung als kanzerogene Stoffe der Kategorie 1B eingestuft. MEKO ist darüber hinaus hinsichtlich der spezifischen Zielorgan-Toxizität mit Auswirkungen auf die oberen Atemwege (STOT SE 1, H370) und das Blutsystem (STOT RE 2, H373) bei längerer oder wiederholter Exposition eingestuft. Ähnliche Auswirkungen auf das Blutsystem wurden für Aceton-Oxim und andere Oxime beobachtet.

Wo Risiken auftreten

Eine berufliche Exposition tritt vor allem während der Auftragsphase von flüssigen Farben und Lacken auf, wenn die Lösungsmittel verdampfen. In der Regel erfolgt der Auftrag von Farben und Lacken im Sichtfeld des beschäftigten Arbeitnehmers, das sich im Atembereich befindet, sodass die Exposition gegenüber Dämpfen hoch ist. Bei oximfreisetzenden Silanen werden Oxime während der Aushärtungsphase kontinuierlich freigesetzt, bis die Dichtstoffe vollständig ausgehärtet sind. Hohe Expositionen sind im Maler- und Lackierbereich sowie beim Spritzlackieren und Lackieren von Kraftfahrzeugen zu erwarten. Folglich sind Maler, Kfz-Lackierer (beim Lackieren), aber auch Klempner und Installateure bei der Verwendung von Oxime freisetzenden Dichtstoffen den höchsten Expositionsrisiken ausgesetzt. Darüber hinaus können auch andere Berufsgruppen einem Risiko ausgesetzt sein, wenn sie Arbeitsbereiche betreten, in denen zuvor oximhaltige Produkte verwendet wurden und diese noch verdampfen.

Mehr über den Stoff

Oxime sind farblose, flüchtige Flüssigkeiten mit einem aromatischen Geruch. Die am häufigsten verwendeten Oxime sind 2-Butanon-Oxime (MEKO), Aceton-Oxime, 2-Pentanon-Oxime (MPKO) und 4-Methylpentanon-Oxime (MIBKO). Sie werden jedoch fast nie in reiner Form verwendet, sondern in geringen Konzentrationen (in der Regel < 1 %) als Antihautmittel in (meist alkylhaltigen) Farben und Lacken oder in gebundener Form in Oxime-Freisetzenden Silan-Dichtstoffen.

Gefahren, die auftreten können

Bislang liegen keine epidemiologischen Daten zum Menschen bezüglich der toxikologischen Wirkungen von Oximen vor. In Tierversuchen sind nach oraler oder inhalativer Exposition gegenüber Oximen die Leber, die Milz und das Blutsystem die wichtigsten Zielorgane. Zudem wurden bei MEKO vorübergehende narkotische Wirkungen und Hautreizungen beobachtet. Es ist zu beachten, dass nach dermaler Exposition gegenüber MEKO allergische Hautreaktionen möglich sind. Bislang sind nur MEKO und Aceton-Oxime als Carc. 1B (vermutlich kanzerogen für den Menschen) harmonisiert. Für MPKO, MIBKO und Cyclohexanonoxim, die als alternative Oxime für MEKO und Aceton-Oxim verwendet werden, liegen bislang keine entsprechenden Daten vor, die eine CLH-Einstufung als kanzerogen rechtfertigen würden. Nach Inhalation von MEKO entwickelten Tiere Leberkrebs, und der enzymatische Stoffwechselweg kann auch beim Menschen angenommen werden.

Derzeit gibt es keine Beweise für Leberkrebs beim Menschen, der auf MEKO-Exposition und einer möglichen Latenzzeit beruht.

Was Sie tun können

Der wirksamste Weg, um eine Exposition und potenziellen Leberkrebs zu verhindern, ist die Substitution durch sicherere, oximfreie Alternativen. Für Oxime in Farben und Lacken könnten alternative Farbsysteme eine Option sein, wie beispielsweise Farben auf Wasserbasis sowie Acryl- oder Polyurethan(PU)-Systeme. Alternative Antihautmittel für lösungsmittelhaltige Farben sind auf dem Markt erhältlich und enthalten Aminverbindungen. Für Silikondichtstoffe stehen oximfreie Alternativen in Form von Acetoxy-, Benzamid-, Amin-, Alkoxy- und Lactatestersystemen zur Verfügung. Silikondichtstoffe mit alternativen Grundstoffen (z. B. Polyurethan oder Silane Terminated Polymer (STP)) sind ebenfalls einsetzbar. Wo ein Ersatz von Oximen nicht möglich ist und die Verwendung von Oximen nicht vermieden werden kann, müssen Maßnahmen zur Verringerung der Exposition ergriffen werden. Der wirksamste Weg, eine Exposition zu vermeiden, ist die Entwicklung und der Einsatz geschlossener Systeme. Ist dies nicht möglich, sollten technische Maßnahmen wie eine wirksame lokale Absaugung oder eine gute Belüftung des Arbeitsplatzes sowie die Überprüfung ihrer Wirksamkeit umgesetzt werden, um sicherzustellen, dass die Exposition gegenüber Dämpfen mit Oximen aus Farben oder Dichtstoffen so weit wie technisch möglich minimiert wird.
Führen Sie regelmäßige Expositionsbewertungen durch, um zu überprüfen, ob Ihre getroffenen Schutzmaßnahmen wirksam sind oder ob weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Die beschäftigten Arbeitnehmer müssen sich der potenziellen Auswirkungen einer Exposition bewusst sein und sollten regelmäßig in den Kontrollmaßnahmen geschult werden, die für ein sicheres Arbeiten mit Oximen erforderlich sind, um eine Exposition zu verhindern. Sie sollten dazu angehalten werden, frühe Symptome wie Schwindel, Hautreizungen und Hautallergien zu melden. Die Einbeziehung eines Arbeitsmediziners wird empfohlen. Darüber hinaus sollten die beschäftigten Arbeitnehmer in wirksamen Hygienemaßnahmen geschult werden.

Stellen Sie sicher, dass die beschäftigten Arbeitnehmer über angemessene Ausrüstung für den Persönlichen schutz verfügen, wie z. B. Schutzkleidung und Handschuhe, falls erforderlich. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) sollte nur als letztes Mittel und nur vorübergehend eingesetzt werden, nachdem alle möglichen technischen Lösungen ausgeschöpft wurden. Wenn wiederverwendbare PSA verwendet wird, achten Sie darauf, dass diese in der vorgesehenen Weise (Atemschutzgeräte zuletzt) abgelegt, regelmäßig gereinigt und so gelagert wird, dass eine Kontamination verhindert wird.

Quellenangaben: BAuA, CLP, BG BAU

GESTIS Datenbank

Der Datenpool kann zum Zweck des Arbeitsschutzes oder zur Gewinnung von Informationen über die von chemischen Stoffen ausgehenden Gefahren genutzt werden.

Allgemeine Fakten

Fakten über krebserregende Stoffe:

  • Die direkten Kosten der Exposition gegenüber kanzerogenen Stoffen am Arbeitsplatz werden europaweit auf 2,4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
  • Jedes Jahr erkranken etwa 120.000 Menschen an Krebs, weil sie bei der Arbeit kanzerogenen Stoffen ausgesetzt sind.
  • Jährlich sterben mehr als 100.000 Menschen an berufsbedingtem Krebs.

Inhaltsverzeichnis

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